Gulistan – Rachmaninov & seine Brüder
„What is Music? How do you define it? Music is a calm moonlit night, the rustle of leaves in Summer. Music is the far off peal of bells at dusk! Music comes straight from the heart and talks only to the heart: it is Love! Music is the Sister of Poetry and her Mother – sorrow!“ ~ Sergei Rachmaninov, in einem Brief an Walter Koons, December 1932
Rachmaninov & die vielzitierte ‚russische Seele’… Wurde alles etwa über die Jahrhunderte mißverstanden? Was ist eigentlich so besonders ‚russisch‘ an seiner Musik? Was ist dran an seiner eigenen, oftmals (& nicht ohne Stolz) ausgesprochenen Behauptung, ein Komponist tatarischer Herkunft zu sein?
Rachman, ‚der Gütige‘. Daß unser aller Sergeij Vasilievitch ein gewissenhafter & aufrichtiger Charakter war ist allen seinen Zeitgenossen schätzenswert gewesen, wir hören es noch heute in seiner unverwechselbar ehrlichen Musik. Daß ein zutiefst selbstkritischer & perfektionistischer Geist & dieses reine Herz dabei – & vollkommen unwissentlich – viele seiner komponierenden Zeitgenossen ‚da lontano‘ beeinflußt hat, ist wohl nur seinen zentralasiatischen Komponistenbrüdern bekannt gewesen. Mehrfach hat er, in Begleitung seines singenden ‚Bruders‘ Fjodor Schaljapin – selbst, einer der bekanntesten Söhne Tataristans – die Kulturmetropole Kazan besucht.
Rachmaninov liebte Gärten & Blumen aller Art. Das große Versepos ‚Gulistan‘ des persischen Dichters Moslehuddin Saadi & die Gärten von Schiraz müßen nicht bloß ihm vertraut gewesen sein. Es ist die ewige Melodie von Abschied & tief ersehnter Rückkehr in die Idee einer wahrhaftig geliebten Heimat, als lebenslange Inspiration einer lebenslangen Suche. Tataristan ehrt ihn seither mit dem ihm & seiner Musik gewidmeten Festival ‚White Lilac‘ – wahrscheinlich in Anlehnung an die Begebenheit, daß er, im Auftrag einer mysteriösen jungen Dame aus dem Publikum, nach seinen Konzerten in Rußland stets ein Bouquet aus weißem Flieder bekam.
Mansur Muzaffarov (Tataristan), Nury Khalmämmedov (Turkmenistan), Fikrat Amirov (Aserbaidschan) & Georgij Mushel (Usbekistan) haben den klanglichen ‚Rosengarten aus Blüten & Dornen‘ ihres ‚großen Bruders‘ in die Musik aus ‚Samarkand & Buchara‘ getragen, um ihrerseits zu verbinden, zu kräftigen, zu öffnen, zu versöhnen.
Sergeij Rachmaninov
Drei Lieder
‚Margaritki‘ (‚Margariten‘), op. 38, No. 3
‚Sireni‘ (‚Flieder‘), op. 21, No. 5 (Transcr. für Klavier vom Komponisten)
‚Vocalise‘, op. 34, No. 14 (Transcr. für Klavier von Alexander Siloti)
Prélude in h-moll, op. 32, No. 10 (‚Die Rückkehr‘)
Prélude in gis-moll, op. 32, No. 12
Étude-Tableau in C-Dur, op. 33, No. 2
Moment Musicale in C-Dur, op. 16, No. 6
Nury Khalmämmedov
Prélude Élegiaque & Fuga (1967)
Mansur Muzzafarov
Sonatina (1936)
Fikrat Amirov
Variationen für Klavier (1940)
Georgij Mushel
Praeludium & Fuga No. 1 in C-Dur
Praeludium & Fuga No. 18 in c#-moll (über ein Thema von To’xtasin Jalilov)
aus: 24 Praeludien & Fugen für Klavier (1975)
