{"id":344,"date":"2011-10-09T18:21:28","date_gmt":"2011-10-09T18:21:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nageebgardizi.com\/website\/?page_id=344"},"modified":"2017-11-05T11:42:08","modified_gmt":"2017-11-05T11:42:08","slug":"3-ravel-friedenskonzert","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.nageebgardizi.com\/website\/?page_id=344","title":{"rendered":"III. &#8230;pax celestis&#8230;"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u201eConcerto Monumentale\u201c \u2013 &#8230;pax celestis&#8230;<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Im Angesicht apokalyptischer Grenzerfahrungen und weitreichenden Angstzust\u00e4nden unseres 21. Jahrhunderts, wird der Ruf nach innerem Frieden immer lauter.<\/p>\n<p>Wenngleich die gro\u00dfen Umw\u00e4lzungen und blutigen Revolutionen vergangener Jahrhunderte lediglich zu historisierendem Stoff verwaist sind, wirkt die \u201eUrkatastrophe\u201c des Ersten Weltkriegs in seinen komplexen Irrungen und Wirrungen im Grunde bis zum heutigen Tage nach. Allein die so verheerende Schlacht von Verdun zeigt, zu welchen Grausamkeiten der Mensch der alten Kolonialm\u00e4chte Europas f\u00e4hig war. Nach einer Zeit einer offenbar zu friedlichen B\u00fcndnispolitik, k\u00fcndigte sich der schwarze Schatten eines Vernichtungskriegs an, den die Monarchien der Alten Welt mit frenetischem Beifall empfingen, um mit ihm auf so unerwartet blutige Art und Weise unterzugehen.<\/p>\n<p>Es ist die Musik genau dieser Zeiten, welche die Agonie dieser Katastrophe glanzvoll \u00fcberlebt hat.<\/p>\n<p>Maurice Ravel, der Sch\u00f6pfer des ber\u00fchmten \u201eBol\u00e9ro\u201c, ist ein aktiver Zeitzeuge der kriegerischen Ereignisse ab 1914 gewesen. Als\u00a0 Kraftfahrer der franz\u00f6sischen Artillerie hat er die Schrecken der Schlacht von Verdun miterlebt. Als \u00dcberlebender dieses Grauens ist er mit zwei gewichtigen Werken vertreten, in welchen er seine pers\u00f6nlichen Erlebnisse in einer \u00e4u\u00dferst subtilen Musiksprache eindrucksvoll zur Sprache bringt.<\/p>\n<p>Erste Teile der\u00a0 Suite \u201eLe Tombeau de Couperin\u201c hat Ravel noch kurz vor Beginn des Ersten Weltkrieges skizziert, welche er erst 1917 &#8211; nach seiner krankheitsbedingten Entlassung aus dem Kriegsdienst &#8211; beenden konnte. Erstaunlich an diesen 6 \u00a0Tanzs\u00e4tzen ist, da\u00df er sie je einem seiner in diesem Krieg gefallenen Freunde widmet, um ihnen ein posthumes Denkmal zu setzen. Die Musik dieser Suite ist dabei unwahrscheinlich sanft, luzide und verstr\u00f6mt ein ungew\u00f6hnliches Gef\u00fchl von lichter Reinheit und Sch\u00f6nheit. Die erlebten Schreckensszenarien erscheinen hier wahrhaft verkl\u00e4rt zu Visionen inneren Friedens.<\/p>\n<p>Das \u201eConcerto pour la Main Gauche\u201c ist urspr\u00fcnglich eine Auftragsarbeit des Komponisten f\u00fcr den einarmigen Konzertpianisten Paul Wittgenstein gewesen. Wittgenstein hatte noch vor dem Ersten Weltkrieg eine Karriere als Klaviervirtuose beginnen wollen. Jedoch wurde auch er zum Kriegsdienst eingezogen, so da\u00df er schon im ersten Kriegsjahr f\u00fcr die Belange des Habsburgerreichs als Offizier k\u00e4mpfte. Bereits 1914 wurde er an der Galizischen Front gef\u00e4hrlich verwundet, und verlor seinen rechten Arm.<\/p>\n<p>Aus der Retrospektive von gut 10 Jahren nach Kriegsende, hat Ravel ein Pand\u00e4monium einer untergehenden Weltordnung erschaffen. In diesem Werk zeichnet er die klaffenden Wunden dieses Kriegstraumas in all ihren Extremen nach. Hierzu z\u00e4hlt interessanterweise auch der Einflu\u00df amerikanischer Jazzmusik, welche im lakonischen Mittelteil des Konzerts deutlich h\u00f6rbar wird. Gegen Ende tritt jedoch eine beeindruckende Metamorphose ein: Alle D\u00fcsternis des Anfang, aller Wahnsinn des jazzigen Mittelteils, m\u00fcndet in einen Solilog der linken Hand allein. Die kriegsgeschundene Seele scheint zun\u00e4chst verzweifelt in dunklen Wellen der Agonie zu treiben. Noch bevor alle Hoffnung versiegt, schwingen ihn\u00a0 diese Wellen in immer kraftvollere H\u00f6hen hinauf,\u00a0 in Sph\u00e4ren himmlischer Verkl\u00e4rung und ewigen Friedens. \u00a0Es ist die apollinische Klangwelt einer \u201eGnossienne\u201c Erik Saties, welche ihm das Tor zu einem neuen Bewusstsein er\u00f6ffnet\u2026<\/p>\n<p>(Nageeb Gardizi)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Programm<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u201eConcerto Monumentale\u201c \u2013 Ein Konzert f\u00fcr den Frieden<\/strong><\/p>\n<p><strong>Maurice Ravel:\u00a0<\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Le Tombeau de Couperin\u00a0 (1914-17)<\/p>\n<p>(1875-1937)<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=RJtvRy-6Ggc\">Pr\u00e9lude<\/a> \u2013 Fugue \u2013 Forlane \u2013 <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=1mvxYuEFRFs\" rel=\"wp-prettyPhoto[g344]\"\">Rigaudon<\/a>\u00a0\u00a0 \u2013 <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=appWURg8ogY\" rel=\"wp-prettyPhoto[g344]\"\">Menuet<\/a> \u2013 Toccata<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=YlBk-egXhdA\">Konzert D-Dur f\u00fcr die Linke Hand &amp; Orchester\u00a0 (1929-31)<\/a><\/p>\n<p>(Bearbeitung f\u00fcr Klavier Solo von Nageeb Gardizi)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hermann Hesse:\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<em>\u201eFriede\u201c (Oktober 1914)<\/em><\/p>\n<p>(1877-1962)<\/p>\n<p><strong>Erik Satie:\u00a0\u00a0<\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Gnossienne No. 3\u00a0 (1891)<\/p>\n<p>(1866-1925)<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Nageeb Gardizi, Klavier<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eConcerto Monumentale\u201c \u2013 &#8230;pax celestis&#8230; Im Angesicht apokalyptischer Grenzerfahrungen und weitreichenden Angstzust\u00e4nden unseres 21. 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