Beethoven und Goethe

L.v. Beethoven und J.W. v. Goethe – eine musikalische Korrespondenz

Ausgehend vom Briefwechsel dieser beiden großen Persönlichkeiten Deutscher Kulturgeschichte kam mir der Gedanke, eine Auswahl der kürzeren “Klangbriefe” (aus den “Bagatellen” für Klavier) L. v. Beethovens dem literarischen Pendant J.W. von Goethes gegenüberzustellen, bzw. einen auf den anderen reagieren zu lassen. Es ist bekannt, daß es eine sehr rege Korrespondenz zwischen diesen beiden Männern gegeben hat, welche sicherlich von vielen Höhen und Tiefen geprägt war. Dieser Briefwechsel erscheint mir gerade auch deshalb interessant, da sich in ihm einiges Aufschlußreiche über das Kulturbild beider befindet, und für welche beide unterschiedliche Ausgangspunkte und Erklärungsversuche anbieten.

Für mich als Musiker ist es natürlich von Bedeutung, Beethovens dokumentierte Ansichten auch klanglich zu verstehen; auch wenn sein Briefstil oftmals nicht das literarische Niveau eines Goethe ebenbürtig erscheint, so ist er es, auf ganz eigentümliche Weise, in seiner Musik. Speziell die Zyklen der kleinen Klavierbagatellen eröffnen ein farbiges und beeindruckendes musikalisches Weltbild auf engstem Raum. Für mich sind sie wie klingende Tagebuchnotizen von höchster kompositorischer Finesse, welche in ihrem inneren Aufbau jedoch, nicht zuletzt aufgrund ihrer zeitlichen Kürze, für den Hörer leicht fasslich und stellenweise auch sehr amüsant bleiben. Der musikalische Anspruch, ein möglichst humanistisches Welt- und Menschenbild einschließlich all seiner inneren Widersprüche und Zweifel hin zu einem besseren Menschen zu erschaffen, ist wohl beiden Persönlichkeiten eigen. Goethes eindrucksvoller Lebensweg vom Stürmer und Dränger, wie etwa in “Die Leiden des Jungen Werther”, bis hin zum ausgeglichenen Klassiker, der mit “Faust” seinen Höhepunkt findet, ist durchaus mit dem Beethovens in der Musik vergleichbar. Allerdings hat sich Beethoven zeitlebens seine Offenheit und die bedingungslose Auslotung musikalischer Ausdrucksbereiche gerade in und vor allem auch mit seinen “Bagatellen” bewahrt. Insofern zeichnen die von ihm erhaltenen Klangdokumente ein anderes, höchst individuelles Bild desselben Sachverhalts. Was der Briefwechsel einerseits schriftsprachlich dokumentiert, vermag der “Klangbrief” andererseits sinnlich zu festigen und zu untermauern. Insofern schwebt mir vor, den Gedankenfluss Beethovens musikalisch zu festigen und zu unterstützen.Ich habe mir gedacht, meinen konzertanten Vortrag einiger ausgesuchter Klangbeispiele aus Beethovens “Bagatellen” für Klavier mit einer Rezitation ausgewählter Zeilen aus dem Briefwechsel der beiden zu verbinden, so dass Wort und Ton einander gegenüberstehen und auch ineinandergreifen können. Ich denke, dass der Hörer dadurch in der Lage sein wird, diesen gedanklichen Austausch ganzheitlicher und vielleicht auch sinnlicher wahrzunehmen. Die Rezitation sollte durch eine Person mit entsprechender Erfahrung erfolgen.

Nageeb Gardizi

 

Programmvorschlag zu: L. v. Beethoven und J. W. v. Goethe – eine musikalische Korrespondenz
Eine Auswahl aus L. v. Beethovens “Bagatellen” für Klavier, op. 33 (1802), op. 119 (1820-22)
und op. 126 (1823-24), kombiniert mit ausgesuchten und rezitierten Briefstellen bzw. Briefen aus
der Korrespondenz mit Goethe.

 

7 Bagatellen für Klavier, op.33 (1802) (22′)

Andante grazioso, quasi allegretto ( 4′)

Scherzo: Allegro (ca.2′ 45”)

Allegretto (2′ 30”)

Andante (3′ 30”)

Allegro, ma non troppo (3′ 15”)

Allegretto quasi andante (4′)

Presto (2′)

 

11 Bagatellen für Klavier, op. 119(1820-22) (14′ 15”)

Allegretto (2′ 10”)

Andante con moto (1′ 10”)

á l’ Allemande (1′ 30”)

Andante cantabile (2′)

Risoluto (1′ 10”)

Andante – Allegretto leggiermente (2′ 10”)

Allegro, ma non troppo (1′ 10”)

Moderato cantabile (1′ 30”)

Vivace assai ed un poco sentimentale (30”)

Allegro (15”)

Andante, ma non troppo (1′ 40”)

6 Bagatellen für Klavier, op. 126 (1823-24) (19′)

Andante con moto (2′ 30”)

Allegro (3′)

Andante (2′ 45”)

Presto (3′ 30”)

Quasi allegretto (3′ 15”)

Presto (4′)

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